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News

AE: Wann ist man zu alt für ein neues Hüft- oder Kniegelenk?

Fitness, gute Vorbereitung und altersentsprechende Therapie entscheidend für OP-Erfolg

Fast ein Drittel der Bevölkerung in Deutschland war im Jahr 2021 über 60 Jahre alt, 7,3 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner sogar 80 Jahre und älter – mit steigender Tendenz (1). Viele der Seniorinnen und Senioren leiden an schmerzhafter Arthrose ihrer Hüft- und Kniegelenke. Dadurch sind sie in ihrem Alltag und ihrer Mobilität oft massiv eingeschränkt.

Ein Ersatzgelenk könnte ihre Schmerzen nehmen und die Beweglichkeit wiederherstellen. Doch bis zu welchem Alter darf man einen solchen Eingriff riskieren? Zu jung – zu alt: Das „richtige“ Alter für ein Kunstgelenk und wie man es hinauszögern oder vielleicht sogar vermeiden kann, sind Themen auf der Online-Pressekonferenz der AE – Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik e. V. Diese findet am Dienstag, 6. Dezember 2022 um 11.00 Uhr statt. Anlass für die Presseveranstaltung ist der 24. AE-Kongress vom 9. bis 10. Dezember 2022 in Frankfurt am Main.

Bewegung ist gesund, sie ist vielleicht sogar die Basis unseres Wohlergehens. Die Behandlung der 500 Millionen Menschen, die im Zehnjahreszeitraum 2020 bis 2030 mangels Bewegung erkranken dürften, koste die Welt zusammen 27 Milliarden Dollar (entspricht 27,5 Milliarden Euro), berichtete Fiona Bull, Leiterin der WHO-Abteilung für körperliche Bewegung bei der Vorstellung des Global status report on physical activity 2022 kürzlich in Genf (2,3). Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt deshalb mindestens 150 Minuten körperliche Aktivitäten in der Woche für Erwachsene (4). Dies soll Krankheiten wie etwa des Herz-Kreislaufsystems, Fettleibigkeit und Diabetes vorbeugen. „Bewegung beeinflusst die relevanten Parameter einer guten Stoffwechseleinstellung positiv“, sagt auch Professor Dr. med. Carsten Perka, Generalsekretär der AE und Ärztlicher Direktor des Centrums für Muskuloskeletale Chirurgie (CMSC) an der Charité – Universitätsmedizin Berlin. In der Folge sinken die Insulinresistenz und der Blutfettspiegel, der Kalorienverbrauch steigt, die Muskulatur wird gestärkt und die Stimmung verbessert sich. Auch das Sturzrisiko verringere sich durch regelmäßige körperliche Übung. Doch was tun, wenn man sich aufgrund von Schmerzen durch Arthrose und Gelenkverschleiß kaum noch bewegen kann?

Bewegung ist gesund – doch was tun, wenn man sich nicht bewegen kann?

Sind alle konservativen Möglichkeiten der Behandlung wie etwa Physiotherapie und Schmerzmittel ausgeschöpft, steht die Frage nach einem Ersatzgelenk im Raum. Patientinnen und Patienten haben jedoch häufig Bedenken, ob sie einem Eingriff noch gewachsen sind. Dies sei gut nachvollziehbar, sagt der Orthopäde und Unfallchirurg Perka: „Eine größere Operation kann bei labilem körperlichem Gleichgewicht einen erheblichen Einschnitt bedeuten, von dem sich Betroffene mitunter nur langsam erholen.“

Deshalb sollte zunächst eine gründliche Risiko-Abwägung gemeinsam mit den Betroffenen stattfinden: „Ausschlaggebend für ein zufriedenstellendes Operationsergebnis in hohem Alter ist heute vorrangig die körperliche und geistige Verfassung, weniger das Geburtsdatum“, sagt er. Durch Fortschritte in Intensivmedizin und OP-Techniken könnten mittlerweile auch große Operationen bei rüstigen Patientinnen und Patienten im fortgeschrittenen Alter mit vergleichbaren Ergebnissen durchgeführt werden wie bei jungen, erläutert Perka. Hier greifen altersspezifische chirurgische Operations-Konzepte mit altersmedizinischer, geriatrischer, Begleitung. Dazu gehören der Schutz vor Auskühlung während der Operation ebenso wie kontrollierte Flüssigkeitsgabe (5). Auch Schlüssellochchirurgie statt offener Operation und optimal angepasste Narkosen schonen die Betroffenen.

Eine gute Vorbereitung auf die OP hilft, die Risiken in den Griff zu bekommen und das Ergebnis zu verbessern

Zudem gelte das Prinzip: „Better in – better out“. Perka erläutert: „Eine gute Vorbereitung auf die OP hilft, die Risiken in den Griff zu bekommen und das Ergebnis zu verbessern.“ So leide etwa jeder fünfte Patient über 70 Jahren an mindestens fünf Krankheiten gleichzeitig. Diese sogenannte Multimorbidität gelte es bereits in der Vorbereitungsphase zu berücksichtigen, so Professor Perka. Ein Diabetes etwa müsse gut eingestellt, eine Unterernährung oder ein Vitaminmangel behoben werden. Neben der klassischen Rehabilitation nach der OP habe sich auch Prärehabilitation bewährt: Mit gezielter Physiotherapie vor dem Eingriff könne man nicht nur das Gehen an Unterarmstützen trainieren, sondern auch die Atemkapazität erweitern und die Muskeln kräftigen. Eine große Rolle spielten auch bestehende Entzündungen, etwa der Zähne, Blase, sowie durch Wunden oder Fußpilz. Diese können gerade bei Älteren leicht zu Implantatinfekten führen und sollten deshalb vor der OP behandelt werden. „Hier sind auch unsere Patientinnen und Patienten gefragt, Verantwortung für ihre Gesundheit zu übernehmen und mitzuarbeiten.“ Durchaus realistisch sei deshalb auch ein Vorlauf von einem halben bis einem Jahr bis zur geplanten Operation.

„Bei Älteren bestehen oft Unsicherheiten bei der Indikationsstellung: Dabei profitieren insbesondere gut vorbereitete Seniorinnen und Senioren erheblich. Sie können nach dem Eingriff oft wieder ein selbstständiges Leben führen und mobil bleiben (6)“, so Privat-Dozent Dr. Stephan Kirschner, Präsident der AE, Direktor der Klinik für Orthopädie in den ViDia Kliniken, Karlsruhe. Eine gute Vorbereitung im Sinne einer Prärehabilitation stelle jedoch die Grundlage des Operationserfolgs dar (7).

Quellen: (1) https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Bevoelkerungs...
(2) https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/138244/Bewegungsmangel-mit-verheerenden-F...
(3) The Cost of Inaction on Physical Inactivity to Healthcare Systems, Lancet 2022; DOI: 10.2139/ssrn.4248284, https://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=4248284
(4) WHO: Global status report on physical activity 2022, https://www.who.int/publications/i/item/9789240059153
(5) Gibt es ein Alterslimit für chirurgische Maßnahmen? R. Mennigen, N. Senninger, Zentralbl Chir DOI: 10.1055/s-0032-1328214
(6) Joint replacement surgery in elderly patients with severe osteoarthritis of the hip or knee: decision making, postoperative recovery, and clinical outcomes. Hamel MB, Toth M, Legedza A, Rosen MP. Arch Intern Med. 2008 Jul 14;168(13):1430-40
(7) Weissbuch Alterstraumatologie Orthogeriatrie 2021, Prärehabiliation: https://www.dggeriatrie.de/images/Dokumente/220216_Weissbuch_Alterstraumatologie...

Vorhofflimmern: mit Sport und Ausdauerbewegung unangenehme Anfälle vermeiden

Kann man dem Störfeuer im Herzen, Vorhofflimmern, sprichwörtlich davonlaufen? Vorhofflimmern ist eine ernst zu nehmende Herzrhythmusstörung, die unbehandelt zur lebensbedrohlichen Gefahr werden und zum Schlaganfall führen kann. Doch es gibt wirksame Maßnahmen, mit denen jeder etwas gegen eine Erkrankung an Vorhofflimmern tun oder den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen kann. Eine der wichtigsten ist ein gesunder Lebensstil mit regelmäßiger Bewegung. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass Lebensstiländerungen wie eine Gewichtsreduktion oder das Intensivieren der sportlichen Aktivität das Risiko an Vorhofflimmern zu erkranken senken können. Besonders lohnt sich Ausdauerbewegung. Sie hilft nicht nur, einer Erkrankung vorzubeugen, sondern auch die Symptome bei bereits bestehendem Vorhofflimmern zu lindern und den Krankheitsverlauf zu verbessern. So lässt sich mit Hilfe sportlicher Aktivität nach einer Verödungstherapie des Vorhofflimmerns (Katheterablation) die Prognose verbessern (1). „Regelmäßige körperliche Aktivität und ein Normalgewicht sind ganz besonders wichtig, um kardiovaskuläre Risikokrankheiten in die Zange zu nehmen, die Vorhofflimmern begünstigen oder verursachen, allen voran Bluthochdruck, gefolgt von koronarer Herzkrankheit, Diabetes mellitus und dem Schlafapnoesyndrom. Mit Bewegung lässt sich sehr effektiv starkes Übergewicht vermeiden, das Bluthochdruck und Vorhofflimmern begünstigt“, betont der Kardiologe Prof. Dr. med. Thomas Voigtländer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung. „Bluthochdruck als der häufigste Verursacher liegt bei 60 Prozent aller Vorhofflimmerpatienten vor.“
Über weitere wichtige Lebensstilmaßnahmen zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie herzgesunde Ernährung (Mittelmeerküche), Rauchstopp und Stressabbau informiert die Herzstiftung unter www.herztiftung.de Wie man sich durch Sport und Ausdauerbewegung am besten vor Vorhofflimmern schützt oder Vorhofflimmerepisoden reduziert, erklären Kardiologen und Sportmediziner in dem neuen Ratgeber „Zurück in den Takt: Vor den schweren Folgen von Vorhofflimmern bewahren“, der unter www.herzstiftung.de/herzwochen oder per Tel. unter 069 955128400 kostenfrei angefordert werden kann.

Mit wie viel Bewegung kann ich mich vor Vorhofflimmern schützen? Expert*innen raten Erwachsenen und älteren Menschen über 65 Jahren zu einem Ausdauertraining von 150 bis 300 Minuten die Woche bei moderater Belastung (z. B. flottes Gehen, Joggen, Radfahren, Schwimmen, Ergometertraining). Dabei folgen sie den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die auch für Vorhofflimmerpatient*innen gelten (2). Optional kann der Trainingsumfang auch 75 bis 150 Minuten pro Woche betragen, wobei hier die ausdauerorientierten Bewegungen beim Laufen, Radfahren oder schnellen Schwimmen etwas anstrengender sein sollten. „Vorhofflimmerpatienten sollten ihre Trainingsdosis immer mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt besprechen“, rät Prof. Voigtländer, Ärztlicher Direktor des Agaplesion Bethanien-Krankenhauses Frankfurt am Main. Denn bei Patient*innen, die z. B. Betablocker oder Rhythmusmedikamente einnehmen, die die körperliche Leistungsfähigkeit senken, müsse zuerst der optimale Trainingspuls angepasst werden.
Wer Sport zur Vorbeugung einsetzen möchte, sollte beim Trainingsumfang bedenken, dass bei moderater Ausdauerbelastung das Vorhofflimmerrisiko signifikant sinkt, wohingegen es bei häufiger intensiver Belastung eventuell steigen könnte. „Für Ausdauersport gilt die Faustregel: Bei sechs Stunden oder mehr an intensivem Ausdauertraining pro Woche kann bei Männern das Vorhofflimmerrisiko steigen“, erklärt Dr. med. Jonas Zacher, Diplom-Sportwissenschaftler und Sportmediziner mit Schwerpunkt Sportkardiologie am Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin der Sporthochschule Köln. Er bringt den Aspekt der richtigen Balance so auf den Punkt: „Sport kann dreierlei zugleich sein: Risikofaktor, Schutzfaktor und Therapeutikum.“ Allerdings betont Dr. Zacher: Auch bei hohen Trainingsumfängen überwiegen in der Regel die Vorteile für das Herz-Kreislaufsystem das möglicherweise etwas erhöhte Vorhofflimmerrisiko.

Was bringen Ausdauer- und zusätzliches Krafttraining bei Vorhofflimmern? Mittlerweile zeigen einige wissenschaftliche Studien, dass körperliches Training eine sinnvolle Behandlungskomponente für Patient*innen mit Vorhofflimmern ist (3). „Die Häufigkeit und die subjektiv erlebte Intensität von Vorhofflimmerepisoden lassen sich mithilfe des körperlichen Trainings reduzieren und Fitness wie Lebensqualität steigern“, betont Dr. Zacher. Die Deutsche Herzstiftung weist zur Orientierung auf die WHO-Empfehlungen hin, deren Erfüllung „mit hoher Wahrscheinlichkeit im Zielbereich der Schutzwirkung gegen Vorhofflimmern liegen dürfte“, so Zacher. Die WHO propagiert dabei eine Kombination aus Ausdauer- und Krafttraining. Zusätzlich zur Ausdauerbewegung sollte man an zwei Tagen der Woche zum Kräftigen der Muskulatur mit einem leichten Hanteltraining oder funktionsgymnastischen Übungen aktiv sein. Älteren ab 65 Jahren werden an drei Tagen pro Woche zusätzlich Gleichgewichts- und Koordinationsübungen zur Sturzprävention empfohlen (2).
Frauen, die die WHO-Empfehlungen erfüllen oder übertreffen, reduzieren ihr Vorhofflimmerrisiko um etwa 10 %, Männer um ca. 5 %, ergab eine Arbeit in „Heart Rhythm“ (4). Umgekehrt erhöht ein inaktiver Lebensstil ohne jeglichen Sport das Risiko für Vorhofflimmern bei Frauen wie Männern um das 2,5-Fache. Eine regelmäßige moderate körperliche Aktivität hingegen reduziert das Risiko, Vorhofflimmern zu erleiden. Verglichen mit inaktiven Menschen war bei Frauen das Vorhofflimmerrisiko um ca. 10 %, bei Männern sogar um ca. 20 % niedriger (5).

Bewegung als Therapiekomponente Welche Rolle spielt Ausdauerbewegung in der Therapie von Vorhofflimmern? Mit Hilfe eines optimierten Lebensstils inklusive körperlichen Trainings lässt sich die Häufigkeit von Vorhofflimmern reduzieren. Das zeigte sich etwa in Rehaprogrammen mit einem Fokus auf ein moderates Ausdauertraining. So konnte ein sechsmonatiges Ausdauertraining bei Rehapatient*innen die Vorhofflimmerlast, also die Anzahl und Dauer der Anfälle, deutlich verringern (6). „Die damit zu erzielenden Effekte waren mindestens so erfolgreich wie die medikamentösen oder interventionellen Therapieoptionen“, betont Dr. Zacher. „Die Patienten haben das Training gut vertragen.“
Als Fazit bleibt mit Blick auf die Studienlage festzuhalten, dass körperliches Training eine sinnvolle Behandlungskomponente ist. Patient*innen mit Vorhofflimmern sollten im Rahmen ihrer Therapie körperliches Training erfahren. Allerdings ist Sport ein Risikofaktor für Männer, die jahrelang Ausdauertraining auf dem Niveau von Leistungssportlern betreiben. Männer profitieren hinsichtlich des Vorhofflimmerrisikos am meisten von einem Ausdauertraining zwischen 1,5 und vier Stunden pro Woche, Frauen können Sport nach Lust und Laune ausüben, der Umfang des Trainings sollte sich an den WHO-Empfehlungen orientieren, „darf aber auch gerne darüber hinaus gehen“, sagt Dr. Zacher.

(wi)

Quellen:

Dr. Jonas Zacher, „Sport als Medikament“, in: Deutsche Herzstiftung (Hg.), „Zurück in den Takt: Vor den schweren Folgen von Vorhofflimmern bewahren“ (Begleitbroschüre zu den Herzwochen 2022), Frankfurt am Main Nov. 2022.

(1) Gessler, N., Steven, D. et al. (2021): Supervised Obesity Reduction Trial for AF ablation patients: results from the SORTAF trial. doi: 10.1093/europace/euab122
(2) Global action plan on physical activity 2018–2030: more active people for a healthier world. Geneva: World Health Organization; 2018.
(3) Malmo, V. et al High-Intensity Exercise in Atrial: High-Intensity Exercise in Atrial Fibrillation, Circulation (2016). DOI: 10.1161/CIRCULATIONAHA.115.018220; Elliott, A. (2021): An exercise and physical activity program in patients with atrial fibrillation: the ACTIVE-AF randomized controlled trial. Abstract, European Society of Cardiology Congress 2021.
(4) Mishima, R. S. et al. (2020): Self-reported physical activity and atrial fibrillation risk: A systematic review and meta-analysis. doi: 10.1016/j.hrthm.2020.12.017
(5) Mohanty S., Differential Association of Exercise Intensity With Risk of Atrial Fibrillation in Men and Women: Evidence from a Meta-Analysis. doi: 10.1111/jce.13023.
(6) Elliott, A. (2021): An exercise and physical activity program in patients with atrial fibrillation: the ACTIVE-AF randomized controlled trial. Abstract, European Society of Cardiology Congress 2021.

Tipp: Patientenbroschüre „Zurück in den Takt“
Die Herzwochen-Begleitbroschüre „Zurück in den Takt: Vor den schweren Folgen von Vorhofflimmern bewahren“ der Deutschen Herzstiftung informiert über neueste Erkenntnisse zu Risikovorsorge, Ursachen, Diagnose und Therapie von Vorhofflimmern. Der 120-seitige Band kann kostenfrei per Tel. 069 955128-400 oder unter www.herzstiftung.de/bestellung (E-Mail: bestellung@herzstiftung.de) angefordert werden. Infos zu Vorhofflimmern bietet die Herzstiftung unter www.herzstiftung.de/herzwochen und www.herzstiftung.de/vorhofflimmern

Weitere Informationen und kostenfreie Ratgeber zum Herzwochen-Thema Vorhofflimmern unter:
www.herzstiftung.de/herzwochen
www.herzstiftung.de/vorhofflimmern
www.herzstiftung.de/vorhofflimmern-symptome

Videos zum Thema Vorhofflimmern:
https://www.youtube.com/DeutscheHerzstiftung

Podcasts zum Thema Vorhofflimmern:
www.herzstiftung.de/podcasts Bildunterschrift: Dr. med. Jonas Zacher, Diplom-Sportwissenschaftler mit Schwerpunkt Sportkardiologie am Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin, Abteilung Präventive und Rehabilitative Sport- und Leistungsmedizin, Sporthochschule Köln

Am Ende des Lebens

Sterben ist ein Thema, das jeden Menschen betrifft und etwas angeht. Dennoch versuchen die meisten, sich möglichst wenig damit zu befassen. Schwer oder unheilbar Erkrankte können sich dem jedoch nicht entziehen: Sie müssen sich unweigerlich mit dem eigenen Tod und dem restlichen Leben auseinandersetzen.

Wer die verbleibende Zeit bewusst und möglichst aktiv gestalten möchte, findet unter anderem Unterstützung bei Ergotherapeut:innen. Diese Berufsgruppe ist darauf spezialisiert, Vertrauen und Nähe zu schaffen – eine wichtige Voraussetzung, damit Menschen ihr Inneres für andere öffnen können. Denn darum geht es: dem Leben nochmals Sinn zu geben, zu schauen, welche Dinge auf der persönlichen Wunschliste, der „Bucket List“, stehen. Bei der Suche nach dem, was einem Menschen besonders am Herzen liegt und welche dafür nötigen Fähigkeiten und Interessen in ihr oder ihm schlummern, hat schon manche:r Ergotherapeut:in durch tiefgründiges Fragen lange verloren Geglaubtes zutage gefördert. Das Finden, Verfolgen und Realisieren solcher (Herzens-)Wünsche kann auch Todkranken nochmals neuen Auftrieb verleihen und ihm oder ihr Momente des Glücks bescheren.

Ein weiterer, wichtiger Part von Ergotherapeut:innen ist es, allen – der Person am Ende ihres Lebens, aber auch der Familie oder dem engen Freundeskreis – Mut zuzusprechen. Sie verhelfen den Todkranken selbst ebenso wie denen, die ihnen nahestehen, zu emotionaler und mentaler Stärke. Nahe Verwandte und Freund:innen gehören zum System des sterbenden Menschen und sind Teil der „Unit of Care“. Ihr Leben dreht sich maßgeblich um diese eine Person. Gerade in derart angespannten Situationen kann es leicht zu Missverständnissen, etwa wegen unterschiedlicher Interessen und Ziele, kommen. Vielleicht können oder wollen die einen (noch) nicht loslassen, die anderen haben aber bereits abgeschlossen, sich entschieden oder gelöst? Außenstehende wie Ergotherapeut:innen können dann professionell vermitteln und die Lage klären. Es ist nicht zu unterschätzen, wie anstrengend und emotional belastend eine solche Phase, die bei manchen über viele Monate hinweggehen kann, für alle Beteiligten ist. Umso wichtiger ist es, den Zuspruch, die Unterstützung und die Anteilnahme von erfahrenen Ergotherapeut:innen in diesem Aufgabenfeld zuzulassen. Wer mit seinem Leben ausgesöhnt und sicher ist, alles richtig gemacht zu haben, kann die Welt zufrieden verlassen.

Weitere Informationen und Ergotherapeut:innen vor Ort gibt es auf der Homepage des Verbands (dve.info); Aktuelles auch auf facebook (der dve) und twitter (@DVEergotherapie)

21.11.2022 DGA | Quelle: Deutscher Verband Ergotherapie e.V.

Back to school

Im Laufe der Evolution ist etwas Entscheidendes geschehen: Der Mensch hat den aufrechten Gang erlernt. Unsere Wirbelsäule und der gesamte Bewegungsapparat haben sich daran angepasst und so gehen wir heute auf zwei Beinen durch’s Leben. Mittlerweile markiert das Laufen lernen in der Entwicklung eines Kindes einen wichtigen Meilenstein, der Eltern stolz macht. Gehen ist etwas ganz Natürliches, bei dem man nichts falsch machen kann, oder? Warum braucht es dann Rückenschulen? AGR-Experte und Mitglied des Direktoriums im Bundesverband deutscher Rückenschulen (BdR) e. V. Ulrich Kuhnt gibt Antworten.

Rückenschule klingt ja erstmal nach stillsitzen - und dabei soll doch gerade das nicht förderlich für einen gesunden Rücken sein. Herr Kuhnt, Sie sind Sportwissenschaftler, Gesundheitsberater in Betrieben und Leiter der Rückenschule Hannover. Sie kennen sich also bestens aus, klären Sie uns bitte auf.

Wir vermitteln Wissen in Theorie und Praxis. Das haben wir mit einer Schule gemeinsam. Doch ich erkläre das ganz gerne an einem 4-Säulen-Modell. Diese vier Säulen sind die Eckpfeiler dessen, was wir in der Rückenschule vermitteln und gleichzeitig Verhaltensempfehlungen für einen gesunden Rücken.

„Achten Sie auf Ihre Körperhaltung und Bewegungsabläufe.“

Säule 1 setzt sich mit der physiologischen oder einfach ausgedrückt, mit der aufrechten Körperhaltung auseinander und beachtet dabei die natürliche Doppel-S-Form der Wirbelsäule. Es geht darum, günstige Haltungs- und Bewegungsmuster des Alltags (wieder) zu erlernen. Dabei werden die Inhalte erst theoretisch besprochen und dann praktisch trainiert, um rückengerecht zu sitzen, stehen, liegen oder Gegenstände zu heben und zu tragen. Und natürlich werden auch Hilfsmittel behandelt, die ergonomisch gestaltet sind und dem Bewegungssystem bei gewissen Tätigkeiten helfen.

„Keine Haltung ist so gut, dass sie lange eingehalten werden sollte.“

Die zweite Säule beschäftigt sich mit dem Wechsel der Haltung und der Bewegung. Ob im Büro, beim Autofahren, abends auf der Couch – keine Haltung ist so gut, dass sie lange eingehalten werden sollte. Denn es ist nicht neu, dass Sitzen schon lange als das neue Rauchen gilt und Monotonie für den Rücken schnell zum Problem werden kann. Darum ist es wichtig, auf den kontinuierlichen Wechsel zwischen Sitzen, Stehen und Bewegen zu achten. Vielfalt und Abwechslung sind der Schlüssel für eine verbesserte Rückengesundheit. Dabei kann auch hier auf ergonomische Unterstützer zurückgegriffen werden – von ergonomischen Bürostühlen für dynamisches Sitzen, höhenverstellbaren Arbeitstischen für das Stehen bis hin zu einer entsprechenden Matratze. Je vielfältiger und abwechslungsreicher, desto besser.

Unser Körper ist ein faszinierendes Zusammenspiel verschiedener Strukturen. Knochen, Gelenke, Muskeln, Sehnen, Nerven, Faszien – sie alle spielen zusammen und sorgen dafür, dass wir unseren Alltag meistern. Doch damit alles reibungslos klappt, benötigen sie entsprechendes Training in Form immer neuer Reize, Stimulationen und Bewegung. Damit befassen wir uns in Säule 3. Kräftigungs-, Dehn- und Koordinationsübungen stehen hier im Mittelpunkt.

Und dann wäre da noch die vierte Säule, denn alles Üben und Trainieren hilft nichts, wenn ich nicht auch auf meine psychische Balance achte. Wir wollen den Kopf wieder mit dem Körper in Einklang bringen. Es geht hierbei um die Psychosomatik hinter Rückenbeschwerden und darum, Stressoren, Ängste oder Sorgen zu erkennen. Denn diese wirken sich maßgeblich auf unseren Körper aus und triggern uns so, dass auch körperliche Reaktionen in Form von Rückenschmerzen zu spüren sind.

Diese vier Säulen fußen auf einem Fundament, das folgenden Ansatz verfolgt: In einer Rückenschule wollen wir die Sichtweise auf die Gesundheit und den eigenen Lebensstil positiv verändern. In unserem ganzheitlichen Präventionskonzept geht es immer um den ganzen Menschen inklusive Aspekten, wie einer ausgewogenen Ernährung als konsequente Erweiterung des Angebots. In einer Kombination aus Analyse und Anpassung unseres Verhaltens und unserem Umfeld (Verhältnissen) wollen wir die Funktionsweise des Körpers verbessern.

Kurz gesagt: In der Rückenschule ist es ok, zu kippeln?

Wenn man so will… Ich sehe das Kippeln hier eher als Beleg, warum es Rückenschulen braucht. Kinder spüren, viel mehr als Erwachsene, wann es Zeit ist, aktiv zu sein. Sie haben einen enormen Bewegungsdrang, der uns im Laufe der Zeit abtrainiert wird. Darum ist es Rückenschulen ein zentrales Anliegen, dass die Personen sich wieder selbst spüren. Sie sollen wieder erkennen: Wann brauche ich Bewegung, um so zu meinem natürlichen Bedürfnis nach körperlicher Bewegung zurückfinden. Manchmal können schon kleine Veränderung dabei helfen.
Es ist klar, dass das etwas sehr Individuelles ist. Habe ich einen Beruf, in dem ich körperlich anstrengende Arbeit verrichte, brauche ich für meinen Rücken eher andere Reize als jemand, der den ganzen Tag im Büro verbringt. Sie begeben sich vielmehr auf die Suche nach Optionen, wo Sie gut neue Reize und Impulse integrieren können.

Wie oft muss ich in eine Rückenschule?

Es geht um Hinführung zu einem dauerhaft bewegten Lebensstil. Darum ist es sehr individuell, wie oft und wie lange Sie eine Rückenschule besuchen sollten. Und auch die Eigenmotivation spielt eine große Rolle. Schließlich geht es um nachhaltige Veränderungen und das Erkennen von Verhaltensweisen, um neue Bewegungsmuster zu etablieren. Ich empfehle meist den regelmäßigen Besuch von 1 x pro Woche für ca. 90 Minuten über ca. ein Jahr.

Kann jeder davon profitieren? Für wen ist die Rückenschule genau das Richtige? Kann ich auch als gesunder Mensch zur Rückenschule kommen?

Die Rückenschule ist für jeden geeignet. Hier geht es ja um einen Bildungsauftrag. Wir wollen die Kompetenz jedes Menschen verbessern, mit dem eigenen Körper achtsam und bewusst umzugehen.

Wie melde ich mich an? Brauche ich ein Rezept, eine Überweisung oder kann ich einfach so kommen?

Die Wege in die Rückenschule sind ganz unterschiedlich. Zum einen über Angebote von Krankenkassen, die Kurse für Versicherte anbieten. Zum anderen über Ärzte, die Empfehlungen aussprechen. Viel geht auch über Mund-Propaganda und Angebote von Gesundheitsförderern oder Arbeitsmedizinern. Betriebe haben ihren Umgang mit Gesundheitsthemen verändert und sind zunehmend bereit, Gesundheitsthemen aufzugreifen. Grundsätzlich ist es so, dass Sie sich auch ohne ein Rezept anmelden können. Auch eine Überweisung ist nicht nötig. Viel einfacher können Sie zum Beispiel im Internet die Rückenschulen in Ihrem Umkreis recherchieren und sich anschließend konkreter über deren Angebote informieren.

Wohlbefinden und Zufriedenheit am Arbeitsplatz spielen eine immer größere Rolle. Da hat in den letzten 10 Jahren eine starke Sensibilisierung stattgefunden, was eine sehr positive Entwicklung ist, wie wir meinen. Firmen haben sich anders aufgestellt und sehen inzwischen die betriebliche Gesundheitsförderung als eine wichtige Maßnahme zur Gesunderhaltung der Belegschaft. Und natürlich erleichtert die Digitalisierung auch das eine oder andere: Sie setzt Hürden wie den Zeitaufwand herab oder bietet Flexibilität. Da gibt es dann eine digitale Betriebsversammlung mit Bewegungspause oder ein Bewegungsvideo, dass sich Mitarbeiter nach ihrem Zeitplan anschauen können oder digitale Vorträge. Das ist inzwischen Usus.

Interessanterweise finden immer mehr Männer in die Rückenschule. Noch vor einiger Zeit war das anders, doch auch hier findet ein Umdenken statt. Männer öffnen sich für neue Themen, die früher als „weiblich“ beschrieben wurden. Sie werden weicher und offener gegenüber Neuem, psychischen Aspekten und ähnlichem. Es scheint ein Wertewandel, gerade in den jüngeren Generationen stattzufinden. Nun haben wir auch viele Herren, die in unseren Yoga oder Nordic Walking Kursen dabei sind. Da sah das Geschlechterverhältnis vor wenigen Jahren noch anders aus.

Wer trägt die Kosten?

Bei der Teilnahme an ZPP-zertifizierten Kursen, also Kursen, die von der Zentralen Prüfstelle Prävention überprüft wurden, übernehmen die Krankenkassen zumeist zwischen 80 - 100 % der Kosten. Bei Rückenschulen ist diese Zertifizierung meistens auch die Regel. Bei betrieblichen Gesundheitsvorsorge-Angeboten sind die Kosten für die Unternehmen im Rahmen von Kooperationsverträgen mit den Kassen erstattungsfähig.

Woran erkenne ich eine gute Rückenschule?

Es gibt ein paar Indikatoren für fachkundige Rückenschulen. Schließlich möchte man ja die eigene Gesundheit in Experten-Hand wissen. Hier meine Indikatoren:

  • Ist die Kursleitung Mitglied im Bundesverband deutscher Rückenschulen (BdR) e. V.?
  • Werden die Kurse von ausgewiesenen, fachkundigen und zertifizierten Experten geleitet (Sportpädagogen, Physiotherapeuten, Gymnastiklehrern, etc.)?
  • Bilden sich die Kursleiter regelmäßig und nach einheitlichen Qualitätskriterien fort?
  • Springt der Funke über – Sind die Kursleiter mit Leidenschaft und Fachwissen für die Sache dabei und fühlen Sie sich wohl?


17.11.2022 DGA | Quelle: Aktion Gesunder Rücken (AGR) e.V.



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